Die 500 Euro Schein Lüge

CHFDie EZB plant offenbar die Abschaffung des 500 Euro Scheins. Aber was bringt diese Maßnahme, wenn ein 1000 Franken Schein im Umlauf ist?Die EZB will also die Abschaffung des 500 Euro Scheins beschließen, weil kriminelle Elemente diesen angeblich für ihre Machenschaften mißbrauchen. Diese Diskussion wird seit der Einführung des 500 Euro Scheins geführt. Aber ist der 500 Euro Schein wirklich so wichtig? Seine Bedeutung liegt vor allem in der Wertsicherung des Euros.  Großanleger lagern große Bestände an Bargeld in Form von 500 Euro Scheinen in ihren Tresoren.  Die folgende Tabelle gibt darüber Auskunft, dass derzeit 614 Millionen 500 Euro Scheine im Umlauf sind:

Geldscheine Anzahl 500 Euro Scheine  in Millionen
500 614

200

207
100 2.145
50 8.398
20 3.440
10 2.326
5 1.766

Der Wert dieser Scheine ist gewaltig. Nach den 50iger Scheinen ist der 500 Euro Schein mit 307 Milliaden Euro die zweitbedeutendste Banknote.

Geldscheine Betrag in Milliarden
500 307

200

41,4
100 214,5
50 419,9
20 68,8
10 23,26
5 8,83

Anders ausgedrückt. Alle 500 Euro Scheine sind in etwa so viel wert wie alle 5er, 10er, 20er und 100er Scheine zusammen.

Es ist wohl kein Zufall, dass diese Meldung über das Aus des 500 Euro Scheins über das Handelsblatt verbreitet wurde. Schon seit geraumer Zeit fällt das Blatt durch Meldungen gegen den 500 Euro Schein auf. Laut Handelsblatt sind 90% der Transaktionen kriminell in denen der 500 Euro Schein involviert ist (http://www.handelsblatt.com/video/unternehmen/banknote-fuer-kriminelle-wirtschaft-will-schmutzigen-500-euro-schein-an-den-kragen/12382310.html). Angeblich wurden an zwanzig 500 Euro Scheinen Spuren von Kokain entdeckt. Interessant wär in diesem Zusammenhang natürlich interessant, an wie vielen 200 Euro Scheinen oder 100 Euro Scheine man Spuren von Kokain vorhanden sind.

Der 500 Euro Schein gilt vielen Medien als die Reinkarnation des Bösen. Wer emotionslos reflektiert, wird schnell erkennen, dass die Abschaffung keinen Einfluss auf das organisierte Verbrechen hat. Notfalls weicht man einfach auf den 1.000 Franken Schein aus, der immerhin fast doppelt so viel wert ist wie der 500 Euro Schein. Warum also das ganze Theater?

Der selbe Bericht im Handelblatt gibt darüber Auskunft. Mario Draghi gibt an, dass der 500 Euro Schein hauptsächlich für den Werterhalt eingesetzt wird. D.h. die meisten 500 Euro Scheine liegen in irgendwelchen Tresoren und werden dort gehortet. Kommt dieses Geld wieder in den Umlauf, weil Investoren in eine andere Währung flüchten, hätte dies auch den gewünschen Nebeneffekt, dass die Inflation wieder steigt. Werden erheblich Mengen an Geld dem Kreislauf entzogen, dann kommt es zu einer Deflation.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die wenigen, sich im Umlauf befindlichen Scheine, möglicherweise in kriminelle Transaktionen eingebunden sind. Die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit sinkender Anzahl – der sich im Umlauf befindlichen Geldscheine – exponential an. In absoluten Zahlen ist es wahrscheinlich dass ein 100 Euro Geldschein (außer dem 200 Euro Schein) öfter in kriminelle Handlungen vertrickt.

Ist die Behauptung also wirklich war, dass der 500 Euro Schein das Mittel der Wahl für Kriminelle ist? Ein Bericht der FAZ bringt Licht ins Dunkle (http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/die-zahl-der-grossen-banknoten-nimmt-bestaendig-zu-13879589.html).

Vor allem in der Finanzkrise begann die Nachfrage nach dem 500 Euro Schein sprunghaft zu steigen. Dies war nicht etwas der Fall, weil die Europäer ihre Vorliebe für Koks oder Steuerhinterziehung entdeckt hätten, sondern weil dich Banken und Bürger vermehrt mit Bargeld eindeckten.

In Frankreich und Portual gilt bereits ein Verbot von Barzahlungen über 1.000 Euro. Ein ähnliches Verbot gibt es in Italien mit einer Maximalgrenze von 3.000 Euro. Einige Medien haben mittlerweile veröffentlicht, dass das Amt für die Bekämpfung des organisierten Verbrechens in London (Soca) festgestellt hat, dass 90 Prozent der 500-Euro-Scheine durch die Hände von Verbrechern gehen. Zitiert wird immer wieder der SAR der Soca (Suspicious activity report
http://www.nationalcrimeagency.gov.uk/publications/94-sars-annual-report-2013/file (Seite 14)):

500 euro note
The use of the 500 euro note has long been recognised as being attractive to money launderers owing to
the ease of portability of large volumes of cash. Research undertaken during the year concluded that whilst
the note is no longer issued in the UK, in a six month period in 2012, £2.2 million worth of this type of note
was reported in SARs. This research is continuing to inform the strategic picture.

Eine Quelle, welche die hohe Kriminalitätsrate belegt, konnte von mir im Übringen nicht ausfindig gemacht werden. Dafür belegt der Report der Soca aber, dass 2012 über einen Zeitraum von 6 Monaten Transaktionen im Wert von 2,2 Millionen Pfund mit 500 Euro Scheinen abgewickelt wurden. Gleichzeitg geht aus diesem Report hervor, dass (Seite 31), dass 73,83% der Verdachtsmeldungen auf Terrorismusfinanzierung aus dem Bankensektor kommen.

Warum ist die Kriminalisierung des 500 Euro Scheins nicht sinnvoll?

Die Behauptung, dass der 500 Euro Schein fast nur von Kriminellen verwendet wird, hat keinen Aussagegehalt. Genau so gut kann man behaupten, dass es kein EInkaufszentrum gibt, in dem sich nicht schon einmal ein Krimineller aufgehalten hat. Was passiert, wenn der 500 Euro Schein abgeschafft wird? Es werden 200 Euro oder 100 Euro Scheine verwendet. Man wird es kaum glauben, aber auch diese Scheine werden von Kriminellen verwendet. Was liegt also näher, als das Bargeld abzuschaffen. Hat dies ein Einfluss auf die Kriminalität? Nein, natürlich würden Kriminelle nie auf die Idee kommen Scheinfirmen zu gründen, das Geld dort professionel zu waschen und so zurück in den Kreislauf zu pumpen. Natürlich würde man auch kein Gold oder Diamanten verwenden oder wertvolle Kunstsammlungen. Kriminelle zahlen natürlich prinzipiell alles in Bar. Aus diesem Grund sollte man auch jeden Bürger sofort verhaften, der es wagt größere Beträge in bar zu bezahlen. Das ist natürlich falsch. Bargeld und wird, wie jede andere Zahlungsform, von kriminellen verwendet. Das Hauptproblem besteht derzeit nicht in der Bekämpfung der Kriminalität, sondern in der nicht vorhandenen Inflation. Was nützt es, wenn die EZB Negativzinsen verrechnet und die Banken Bargeld in ihren Tresoren horten oder Sparer das Geld einfach abheben?

Wenn ein Versicherungskonzern beschließt auf der Bank keine Negativzinsen zu bezahlen und das Geld in Bar abhebt, um es in seinem Tresor zu verwahren, dann stößt er bei größeren Geldsummen schnell an Grenzen. Angenommen ein Konzern will eine Milliarde Euro abheben.

In 10 Euro Noten hat dieser Geldbetrag ein Gewicht von 72,00 Tonnen. Ein einziger Geldstapel wäre 10 km hoch und hätte ein Volumen von mindestens 85.000 Litern.

In 100 Euro Noten hat das Papiergeld nur noch ein Gewicht von 10,20 t. Ein einziger Geldstapel wäre 1 km hoch und hätte ein Volumen von mindestens 12.000 Litern.

In 500 Euro Noten hat das Papiergeld ein Gewicht von 2,24 t. Ein einziger Geldstapel wäre 200 Meter hoch und hätte ein Volumen von mindestens 2.600 Litern.

Bei einer Milliarde Euro in 100 Euro Scheinen werden mindestens 12 m3 Platz benötigt, während bei 500 Euro Scheinen nur 2,6 m3 Platz notwendig sind. Beim Transport ein nicht unwesentlicher Faktor.

Wie sieht es aber im privaten Bereich aus? Angenommen es werden Strafzinsen auf alle Guthaben eingeführt. Ein Bürger mit einem Guthaben von 200.000 Euro hebt darauf hin alles Geld in 500 Euro Scheinen ab. Die 400 Scheine haben ca. ein Gewicht von einem halben Kg und ein Volumen von einem halben Liter. In 100 Euro Scheinen hat der selbe Betrag ein Gewicht von über 2 kg und lässt sich 20 cm hoch stapeln.

Hat der Staat ein Interesse daran, dass Bargeld zu Hause gestapelt wird? Nein, natürlich nicht. Der Staat geht davon aus, dass Bargeld primär der Steuerhinterziehung dient und sich nur der Bürger größerer Bargeldbeträge bedient, welcher Schwarzgeld waschen möchte. Elektronisches Geld eignet sich hingegen viel besser um Transaktionen lückenlos nachzuvolliziehen.

Das Hauptproblem ist aber weder die Verbrechensbekämpfung noch die Steuerhinterziehung. Bisher sind fast alle Leistungen inflationsangepasst. Dadurch wurde jedes Jahr alles um ein paar Prozent teurer, die Steuern stiegen im selben Aumaß, die Löhne wurden erhöht und das Geld wurde weniger wert. Das Inflationsziel der EZB von 2% ist nichts anderes als eine flächendeckende Steuer auf jedes Guthaben. Der Staat konnte die Inflation durch die Anhebung von Gebühren fast beliebig steuern. Durch den Preisverfall der Rohstoffe ist dies nicht mehr möglich. Noch viel Schlimmer. Wenn es zur einer Deflation kommt – die Inflation also negativ wird, dann könnten viele Konzerne (zB Versicherungen) dazu gezwungen werden ihre Prämien entsprechend nach unten anzupassen. Ein Albtraum für jeden Staat. Genau zu diesem Zeitpunkt entschließt sich die EZB den Wünschen der Bargeldkritiker nachzukommen. Die Erkenntnis dürfte sich auch im EZB Rat durchgesetzt haben, dass Bargeld nicht nur den uneingeschränkten Zugriff der EZB oder des Staates verhindert, sondern auch die Inflationsziele der EZB Einhalt gebietet.  Die Kriminalisierung des Bargelds ist nur eine reine Symptombekämpfung, welche nur verhindert, dass die Staaten dringend notwendige Reformen durchführen.

 

Ein Kommentar

  1. Der 500 Euro Schein wird ganz sicher nicht der letzte Schein gewesen sein, der abgeschafft wird. Ich bin sehr gespannt, was sich in diesem Bereich in Zukunft noch alles tut. Es wird ja immer wieder von der kompletten Abschaffung des Bargeldes gesprochen. Aus meiner Sicht ein großer Fehler.

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