Die Deflationsängste der EZB

Als gelernter Österreicher ist man es gewohnt, dass man von den Politikern immer wieder belogen wird. So hat man der Bevölkerung jahrelang erzählt, dass es zur Notverstaatlichung der Hypo Alpa Adria keine Alternative gäbe. Auch dass man das Bundesland Kärnten pleite gehen lässt sei natürlich nicht möglich und dies obwohl es zahlreiche Gutachter gab, die das Gegenteil behaupteten. Was liegt also näher als die schlechtmöglichste Lösung zu wählen, die Schulden auf den Steuerzahler abzuwälzen?

Wie verhält es sich nun aber mit der viel beschworenen Gefahr einer Deflation welche der Auslöser der Weltwirtschaftskrise 1929 war? Was ist damals konkret passiert? Das primäre Problem waren die enormen Schulden die aus dem ersten Weltkrieg entstanden sind und eine Spekulationsblase die sich in den USA gebildet hatte. Die Spekulationsblase tat das was alle Blasen tun, sie platzte. Das wäre an sich noch kein großes Problem gewesen, wenn nicht ein Großteil des Spekulationsgeldes kreditfinanziert gewesen wäre. Sehr viele Menschen verloren damals ihr gesamtes Geld. Damit verbunden war ein enormer Verlust der Kaufkraft und ein Mangel an Geld der wiederrum dazu führte, dass der Konsum zurück ging und die Produzenten ihre Preise senkten. Die Staaten hatten aufgrund ihrer extremen Schuldenlast nicht die Möglichkeit gegenzusteuern. Die tödliche Abwärtsspirale begann.

Zurück in die Gegenwart. Seit es die Europäische Zentralbank gibt hören wir, dass das Inflationsziel bei 2% liegt. Warum ist es eigentlich gut, wenn das Geld pro 2% an Kaufkraft verliert? Weil man Angst vor dem Nachkriegsszenario der 30iger Jahre hat? Was bedeutet es eigentlich wenn das Geld jedes Jahr 2% an Kaufkraft verliert? Wenn man 100.000 Euro unter seiner Matratze bunkert und im Jahr 2000 dafür ein Grundstück um 100.000 Euro kaufen könnte, dann muss man im Jahr 2001 schon 102.000 Euro für den Grund bezahlen (2% mehr). Im Jahr 2002 kommen dann noch mal 2% dazu. D.h die 102.000 Euro steigen auf 104.040 Euro die man jetzt für das Grundstück bezahlen muss. Über 50ig Jahre sieht die Entwicklung wie folgt aus:

Jahr Preisentwicklung in Euro
1 100.000
2 102.000
3 104.040
4 106.121
5 108.243
6 110.408
7 112.616
8 114.869
9 117.166
10 119.509
11 121.899
12 124.337
13 126.824
14 129.361
15 131.948
16 134.587
17 137.279
18 140.024
19 142.825
20 145.681
21 148.595
22 151.567
23 154.598
24 157.690
25 160.844
26 164.061
27 167.342
28 170.689
29 174.102
30 177.584
31 181.136
32 184.759
33 188.454
34 192.223
35 196.068
36 199.989
37 203.989
38 208.069
39 212.230
40 216.474
41 220.804
42 225.220
43 229.724
44 234.319
45 239.005
46 243.785
47 248.661
48 253.634
49 258.707
50 263.881

Konkret heißt das, dass ich nach 50 Jahren für 100.000 Euro nur noch 37% dessen bekomme, was ich jetzt dafür bekommen könnte. Oder dass ich nach 50 Jahren 2,6 mal so viel für die Produkte zahlen muss wie jetzt.

Wer hat davon einen Vorteil?

Die Sicht des Staates: Der Staat verschuldet sich jedes um ein paar Prozentpunkte mehr. Angenommen der Staat gibt jedes Jahr 2% mehr aus, als er einnimmt. In diesem Fall erhöht sich die Gesamtschuld des Staates jedes Jahr um 2% und somit auch die Rückzahlung für die Zinsen. Da sparen für die Politiker eine undankbare Aufgabe ist und bei Wiederwahlen regelmäßig bestraft wird ist es einfacher eine Massensteuer wie die Inflation einzuführen. Die Gehälter steigen jedes Jahr um 2%. Die Bürger haben wenig Anreiz zu sparen und die Steuereinnahmen steigen entsprechend. Da der Staat nicht spart und keine Gewinne erzielt fördert er dies auch nicht bei den Bürgern.

Die Sicht des Bürgers: Das Geld wird regelmäßig weniger wert. Die meisten Leute flüchten also in sichere Häfen wie Immobilien. Dadurch steigen die Preise bei Immobilien und dies hat zur Folge, dass die Mieten steigen und den Bürgern Geld entzieht bzw. es zu einer massiven Umverteilung kommt. Da sich ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch sehr wohlhabende Bürger Immobilien leisten können, während die große Masse durch immer höhere Mieten massiv an Kaufkraft verliert. Rücklagen für die Altersvorsorge können nicht mehr gebildet werden wodurch die Schere zwischen Arm und Reich noch größer wird.

Das primäre Problem der Inflation ist, dass die Nebenwirkungen dieser Entwicklung zu einer Deflation führen. Der großen Masse des Mittelstandes werden durch immer höhere Steuern (der Staat muss ja seine Schulden bedienen) und Abgaben durch stark steigende Immobilienpreise oder Mieten massiv Geld entzogen wird, das für den Konsum fehlt.

Die entscheidende Frage ist, warum ist es für andere Staaten wie die Schweiz kein Problem ist, wenn der Franken keine Inflation aufweist oder gar deflationäre Entwicklungen hat, wie die folgenden Daten belegen?

Inflationsrate in der Schweiz:

Dezember 2014 -0,328 %
Dezember 2013 0,067 %
Dezember 2012 -0,434 %
Dezember 2011 -0,715 %
Dezember 2010 0,520 %
Dezember 2009 0,283 %
Dezember 2008 0,701 %

Der Grund ist relativ einfach. Inflation/Deflation wird immer nur dann ein Problem, wenn der Staat stark verschuldet ist. In Wahrheit gibt es auch in Europa Waren, die einer sehr starken deflationären Entwicklung unterworfen sind, zB Computer. Wer heute einen Computer für 1000 Euro kauft weiß, dass er in einem Jahr nichts mehr wert ist oder einen Computer bekommt, der doppelt so schnell ist. Schieben die Konsumenten deswegen ihre Kaufentscheidung auf und stürzen damit die gesamte IT Branche in eine Rezession? Dies ist nicht der Fall, weil genug Geld im Umlauf ist. Die Situation der 30iger Jahr ist mit der Gegenwart nicht vergleichbar. Dass die Banken damals gerettet wurden war eine wichtige und richtige Entscheidung. Dass die EZB stabile Preis bei einer Inflationsrate von 2% sieht kann nur damit gerechtfertigt werden, dass die Regierungen ihre aktuelle Politik nicht ändern wollen und die Konsequenzen der Schuldenpolitik auf die ihre Nachfolger auslagern.

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